Historische Ausgrabungen auf dem Münsterhügel

Interview mit den Archäologen

Martin Allemann von der Archäologischen Bodenforschung Basel erzählt im Interview über die aktuellen Grabungen auf der Bertschmann Baustelle am Münsterhügel.

 

Martin, wie plant ihr eure Einsätze?

In der Innenstadt stösst man erfahrungsgemäss schnell auf historische Schichten und Gegenstände, da Basel seit 2000 Jahren am gleichen Ort liegt. Wir versuchen nach Erhalt des Baugesuches unsere Grabungen so zu legen, dass wir vor den baulichen Massnahmen loslegen können und so das Projekt nicht aufhalten.

 

Wie sieht euer Zeitplan aus?

Gleich nach der Fasnacht hat Bertschmann den Belag aufgeschnitten und die ersten 50cm Fundation mit dem Bagger abgetragen. Bis Mitte April graben wir bis auf ca. 2.5m nach Schichten und bergen Fundstücke. Anschliessend räumen wir das Feld für die weiteren Bauarbeiten. Bertschmann erstellt einen Ortsbetonkanal für den neuen Fernwärme-Hausanschluss. Die aufwändigen Arbeiten sind Zeitintensiv. Bis zum Open Air-Kino im August sind alle Arbeiten inklusive der Pflästerung abgeschlossen.

 

Was habt ihr bisher gefunden?

Erwartet wurde Material aus der Keltischen Zeit bis in die 1950er, sprich rund 2000 Jahre alte Schichten ab 50 v. Chr. Effektiv gefunden haben wir bisher römisches Material und Einzelteile aus dem Frühmittelalter. Sogar einzelne glasierte Scherben aus dem Mittelalter sind aufgetaucht. Dass das Fundmaterial vom Alter her bunt gemischt ist, kommt in der Innenstadt oft vor. Das gleiche Baumaterial wurde häufig wiederverwendet und zum Beispiel der Aushub der einen Baustelle an einem anderen Ort wieder eingefüllt.

 

Wie stellt man fest aus welcher Epoche die Funde stammen?

Das Material wird mit bisherigen Funden abgeglichen. Keramik ist relativ einfach zu bestimmen. Schon damals änderte die Mode des Tafelgeschirrs regelmässig und wir können es auf 20-50 Jahre genau datieren. Römische Münzen wurden von den jeweils herrschenden Kaisern hergestellt und können auch sehr genau zugeordnet werden. Allerdings sind sie schwierig zu finden da sie sehr klein und meistens schwarz angelaufen sind. Erfahrene Ausgräber sind deshalb enorm wichtig, um auch die ganz kleinen Gegenstände zu entdecken.

 

Was geschieht nun mit den Funden?

In der Schweiz gehören die Funde aus den Ausgrabungen dem Kanton. Dieser ist verantwortlich, dass die Gegenstände gewaschen und beschriftet werden, denn es ist wichtig zu wissen, woher die Funde stammen. In diversen Lagern stehen die Funde für Forschungszwecke zur Verfügung.

 

Besten Dank an Martin und sein Team für die gute Zusammenarbeit und weiterhin viel Erfolg bei den Ausgrabungen.

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